Montag, April 14, 2008

Die letzten Tage des Kahn

Mein Gott, was wäre das für ein bitterer Abgang für unseren Titanen Oliver den Großen gewesen, hätte er sich mit seinen Bayern in seiner letzten Saison beim spanischen Dorfverein FC Getafe aus dem UEFA-Cup verabschiedet! Wo er doch so viele Titel gewonnen hat, muss er die letzten drei in dieser Spielzeit - Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Cup - jawohl auch noch abgreifen! Ersteren überlassen ihm, bzw. den Bayern die anderen Spitzenclubs durch lauter Heimniederlagen gegen Tabellenletzte, voller Verständnis für die historische Tragweite. Den Pokalsieg können und wollen schlaffe Dortmunder vermutlich auch nicht unbedingt streitig machen. Im UEFA-Cup allerdings war es schon fast geschehen: zweimal hatten die Underdogs aus Kastillien den "großen FC Bayern" an den Rand des Ausscheidens gebracht, vielleicht war ihnen aber auch schon bewusst, dass es dem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt, die Bayern am letzendlichen Sieg hindern zu wollen. Ein Naturgesetz wird auch durch drei Tore Vorsprung 20 Sekunden vor Schluss nicht außer Kraft gesetzt.
Tragisch, wäre dem armen Olli nun also beinahe dieser eine letzte Titel abgegangen, doch wer fragt eigentlich nach dem gleichermaßen 37 Jahre alten Torwart des in letzter Sekunde geschlagenen Gegners? Pato heißt der - auf deutsch Ente - mit Spitznamen zwar, der aber immerhin auf seinem Trikot steht. In den letzten Minuten zeigte sich dann auch, woher er den Spitznamen hat.
Mit solchen Nebensächlichkeiten jedoch kann ich mich an dieser Stelle nicht befassen. Vielmehr bewegt mich die Frage, wie der deutsche Fußball ohne den großen Kahn von München weiter existieren kann. Was wenn plötzlich niemand mehr Gegenspielern das Ohr abbeißt, oder von Mitspielern verletzte Spieler beschimpft? Und wenn er dann mit Wuschelhaaren und wirrer Primatengrimasse über den Platz rennt, kann man ihn schon niedlich wie einen Lausbuben vom Lande finden. Und wenn er auf verbale Vorlagen von Reportern selbstherrlich mit "Ja gut, wir sind der FC Bayern, wir müssen uns vor niemanndem fürchten, vielleicht vor dem lieben Gott" antwortet, kann man seine Hassliebe voll ausleben. Wir werden sicher noch viele autoanalytische Monologe von ihm in allen Medien hören.