Mittwoch, April 30, 2008

Platz der himmlischen Moral

Nachdem auch die deutsche Wirtschaft und Politik seit vielen Jahren prima Geschäfte mit China macht, hat man vor kurzem urplötzlich gemerkt, dass in China hin und wieder das ein oder andere Menscherechtlein missachtet wird. Und die Spitzensportler sollen jetzt gefälligst mal richtig Flagge zeigen, um der Moral zum Recht zu verhelfen. Sollten dann die Olympioniken auf das Ereignis verzichten, für das sie ihr Leben lang trainieren, hätte man ein gutes Zeichen gesetzt und könnte danach wieder schön kooperieren mit China. Oder von den chinesischen Arbeitsverhältnissen lernen, die sicher fantastisch auf unsere übertragbar wären und unserem Wachstum nur guttun könnten. Das zumindest behauptete ernsthaft der Organisator der Hamburger China-Woche 2006.
Also: Sport Sport sein lassen. Wer jetzt Zeichen gegen Unfreiheit setzen möchte, kann ja seine ihm zugedachte Rolle als verantwortungsbewusster Verbraucher wahrnehmen. Gewisse deutsche Autokonzerne betreiben bei Olympia Sponsoring im großen Stil. Also dran denken, wenn man in Zukunft mal wieder nen Golf kauft!

Dienstag, April 22, 2008

Lieber unbeliebt bleiben?

Super, Tokio Hotel! Dank der völkerverständigenden Hysterie, die die Teenie-Band derzeit überall in Europa auslöst, schreiben sich jetzt Massen junger Franzosen (v.a. wohl Französinnen, oder wie ist das mit der Wirkung und der Fangemeinde der metrosexuellen Jungpopper?) für Deutschkurse ein - nur um sauber sagen zu können "Isch will ein Kind von Dir, Biell". Tokio Hotel also als Botschafter für ein Land, das nun endlich auch international aktiv im Bereich Grotten-Kultur ist. Ob man da nicht lieber unbeliebt bleibt?
Früher beschränkten sich die Deutschen ja eher darauf, jedem noch so schlimmen Song aus dem angelsächsischen Kulturraum durch die Gassen zu folgen. "Everybody had a number one hit in Germany. David Hasselhoff had a number one hit in Germany. Seems, they don't understand so much 'bout music there", sagt Lee Majors über seinen Hit "The unknown stuntman". Das Interview ist auf dem Bonusmaterial der DVD mit der ersten Staffel von "Ein Colt für alle Fälle" zu sehen, die ich mir kaufen musste. Schließlich fand ich die Serie toll - und natürlich den Titelsong, ich verstand also auch nicht soviel von Musik, naja. Schließlich steht er für eine Welt, in der das schlimmste Klimaproblem war, wenn Colt - zigarrerauchend - ein Regentropfen in seine Badewanne vorm Haus mit Ausblick über L.A. fiel und in der man die coolen Jungs mit Pick-ups oder Trucks noch cool finden durfte.

Montag, April 21, 2008

Na, was ist es?

Die Schönheit in den kleinsten Dingen sehen - diese Fähigkeit kommt einem sehr zupass, wenn man in einer Stadt wie Köln lebt. Wer wollte bei diesem Anblick die Assoziation mit schroffen Granitfelsen verwerfen? Doch hat hier lediglich ein nervöser Großstadt-Geist an U-Bahn-Fensterdichtungen rumgepiddelt.

Donnerstag, April 17, 2008

Tun

Die Knöchel einer stilsicheren Person werden durch Tiermotive, besonders wenn es sich bei dem Dargestellten um einen kultverdächtigen Bewohner des Hohen Nordens handelt, durchaus positiv gekleidet.

Bitte auf gar keinen Fall Tun

Natürlich - Du bist der Größte, Dynamik steht Dir ins Gesicht geschrieben. All Deine Glieder bewegen sich mit tentakelhafter Geschicklichkeit durchs Leben. Dann beglücke uns doch mit der Präsentation all dieser Qualitäten anhand Deines Leibes und schütze unsere Augen vor solch einem Objekt. Der Straßenverkehr ist schon nervenaufreibend genug!

Montag, April 14, 2008

Die letzten Tage des Kahn

Mein Gott, was wäre das für ein bitterer Abgang für unseren Titanen Oliver den Großen gewesen, hätte er sich mit seinen Bayern in seiner letzten Saison beim spanischen Dorfverein FC Getafe aus dem UEFA-Cup verabschiedet! Wo er doch so viele Titel gewonnen hat, muss er die letzten drei in dieser Spielzeit - Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Cup - jawohl auch noch abgreifen! Ersteren überlassen ihm, bzw. den Bayern die anderen Spitzenclubs durch lauter Heimniederlagen gegen Tabellenletzte, voller Verständnis für die historische Tragweite. Den Pokalsieg können und wollen schlaffe Dortmunder vermutlich auch nicht unbedingt streitig machen. Im UEFA-Cup allerdings war es schon fast geschehen: zweimal hatten die Underdogs aus Kastillien den "großen FC Bayern" an den Rand des Ausscheidens gebracht, vielleicht war ihnen aber auch schon bewusst, dass es dem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt, die Bayern am letzendlichen Sieg hindern zu wollen. Ein Naturgesetz wird auch durch drei Tore Vorsprung 20 Sekunden vor Schluss nicht außer Kraft gesetzt.
Tragisch, wäre dem armen Olli nun also beinahe dieser eine letzte Titel abgegangen, doch wer fragt eigentlich nach dem gleichermaßen 37 Jahre alten Torwart des in letzter Sekunde geschlagenen Gegners? Pato heißt der - auf deutsch Ente - mit Spitznamen zwar, der aber immerhin auf seinem Trikot steht. In den letzten Minuten zeigte sich dann auch, woher er den Spitznamen hat.
Mit solchen Nebensächlichkeiten jedoch kann ich mich an dieser Stelle nicht befassen. Vielmehr bewegt mich die Frage, wie der deutsche Fußball ohne den großen Kahn von München weiter existieren kann. Was wenn plötzlich niemand mehr Gegenspielern das Ohr abbeißt, oder von Mitspielern verletzte Spieler beschimpft? Und wenn er dann mit Wuschelhaaren und wirrer Primatengrimasse über den Platz rennt, kann man ihn schon niedlich wie einen Lausbuben vom Lande finden. Und wenn er auf verbale Vorlagen von Reportern selbstherrlich mit "Ja gut, wir sind der FC Bayern, wir müssen uns vor niemanndem fürchten, vielleicht vor dem lieben Gott" antwortet, kann man seine Hassliebe voll ausleben. Wir werden sicher noch viele autoanalytische Monologe von ihm in allen Medien hören.