Donnerstag, Februar 28, 2008

Links ist überall

Es hat ja gute Gründe, dass wir in Deutschland kein Kind mit noch so stark ausgeprägtem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom in ein Konzentrationslager stecken würden - zumindest würden wir es niemals so nennen. Auch wird Wolfgang Schäuble bei all seinen Ambitionen keinem weiteren Geheimdienst die Bezeichnung Geheime Staatspolizei geben. Begriffe wie entartet oder Volksgesundheit sind aus unserem Vokabular vielleicht für immer gestrichen und eine deutsche Stadt namens Sankt Sebastian hätte auch niemals das Autokennzeichen SS.
Nichtsdestotrotz gilt rechts als politischer Standort weiterhin als recht oder rechtens, während man mit einer Person, die sich politisch links positioniert, automatisch etwas linkisches, linkes im charakterlichen Sinn verbindet.
Angesichts eines drohenden Linksbündnisses in Deutschland, das zweifelsohne zum Untergang unserer Zivilisation führen würde, sollten wir uns mal genauer anschauen, wo überall sich linke Gefahren verbergen. Es kann einem Angst und bange werden.
Zum Beispiel stelle ich erschreckt fest, dass ich diesen Text linksbündig schreibe. Wenn der Mitarbeiter von Herrn Schäuble, der dieses liest, es falsch interpretiert, dann bekomme ich sicher Probleme. Aber dafür könnte er dann wirklich nichts. Vielmehr sollten wir alle vorsichtiger mit unserer Wortwahl werden. Muss ich denn auf der linksrheinischen Seite leben? ... kann es nicht nüchterner und unverdächtig westlich des Rheins heißen?
Linkshänder zeichnen sich angeblich durch eine überdurchschnittliche Intelligenz aus. Sollte man ihnen nicht schon im Säuglingsalter ihre politisch zwielichte Unart austreiben?
Engländer gelten allgemeinhin nicht als sehr verdächtig, politisch links zu stehen. Müssen sie uns da mit ihrem Linksverkehr ein Verdachtsmoment gleichermaßen augenscheinlich wie unnötig liefern?
Jede vollständige Fußballmannschaft braucht einen linken Verteidiger. Wer einen solchen Job macht, der ist zeitlebens mit einem Stigma behaftet. In der deutschen Nationalmannschaft bekleidet ein Mensch namens P. Lahm diese Position - interessant, betrachtet die mittelhochdeutsche Herkunft des Wortes link. Damals bedeutete link nämlich zugleich matt und schlaff.
Ich versuche jetzt, links aus meinem Leben zu verbannen und verzichte auf einen vielleicht effektvollen Link auf irgendein abschreckendes, angsteinflößendes, die Niedertracht visualisierendes sozialistisches, also linkes, Symbol.

1 Comments:

Anonymous Brechter rechts! said...

Alles verlinkt hier! Das gibt dem Gulag-Staat die Krechte (Klinke gibt es aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr) in die Hand.

2:24 nachm.  

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