Freitag, Januar 25, 2008

Wer's zu weit treibt, ...

Am kapitalistischen System zu zweifeln ist in der politischen Diskussion ein absolutes No Go. Umso größer die Empörung, wenn der Kapitalismus wieder einmal deutlich und in einem populären Fall sein Wesen zeigt. Wollt Ihr den totalen Gewinn? lautet nicht die Frage, sondern Wie lässt sich der größtmögliche Gewinn realisieren?
Die Firma Nokia folgt nur diesem Prinzip und baut mit der Arbeitsplatzverlagerung nach Rumänien den Grundstein für positive Gewinnaussichten auch in der Zukunft. Aus Sicht der deutschen Öffentlichkeit haben die Verantwortlichen bei Nokia jedoch ihre Unternehmerische Freiheit mit diesem Schritt eindeutig zu weit ausgeschöpft. Um Beliebtheit bemühte Politiker greifen das gerne auf und mahnen Ethik und Anstand in der Wirtschaft an. Der erste Minister, der sein Nokia-Handy zurückgab - Herr Seehofer - verteidigte als Bundesminister für Verbraucherschutz das Recht von Fleischproduzenten, Gammelfleisch auf den Markt zu bringen und es als Frischfleisch zu deklarieren. Auch wenn er das so genau nicht ausdrückte, muss man seine Ablehnung von strengeren Kontrollen bei der Fleischproduktion - die schränkten die Unternehmerische Freiheit ja doch zu sehr ein - durchaus in diesem Sinne verstehen.
Nun ja, Gammelfleischproduzenten kommen schließlich auch aus Bayern unsd Niedersachsen, Nokia jedoch nicht. Darum kann die entrüstete Öffentlichkeit ihre Lust am Wirtschaftsnationalismus in diesem Fall ausleben. Deutsche, wehrt Euch, kauft nicht bei Nokia! liest man allerorten - oder Seit 20. Januar acht Uhrr wird nicht mehr zurrückgesimst! Wahrscheinlich werden auch bald Geschäftshandy-Flotten als Nokia-frei deklariert.
Die vormals sympathischen Finnen haben sich halt selbst zum Heuschrecken-artigen Ungeziefer unter den Handy-Herstellern gemacht. Ein anderes Ungeziefer aus Taiwan bekam ja vor einiger Zeit nur aus fehlgeleiteter Gutgläubigkeit eines anständigen deutschen Schäferhund-Unternehmens namens Siemens dessen Handy-Sparte und zeigte dann ebenfalls seinen minderwertigen Charakter.