Dienstag, September 25, 2007

Unserer Natur auf die Sprünge helfen

Die Welt rückt immer näher zusammen. Das schafft neue Konkurrenzen in allen Bereichen. Wenn der Himalaya via Air Shanghai und Transrapid/Tibetbahn auch für bequeme Reisende leicht erreichbar wird, wer reist dann noch in den Harz? Wer klettert auf die Loreley, wo er durch Bäume hindurch den Rhein in 130 Meter Tiefe erahnen(!) kann, wenn man am Rand des Grand Canyon auf dem Skywalk den 1200 Meter tiefen Abgrund senkrecht unter sich sieht?
Da müssen wir uns für unsere bescheidene Natur etwas ausdenken. Die Schweizer haben in dieser Hinsicht schon etwas
geleistet. So wollen sie dem Kleinen Matterhorn, das zwar eine Seilbahn-Station hat, doch in seiner physischen Entwicklung etwas zurückgeblieben ist (3883 Meter Höhe), auf die magische 4000er-Grenze verhelfen. Ein 117 Meter hoher Turmbau mit Hotel und Konferenzräumen soll den Gipfel für anspruchsvolle Gäste aus aller Welt schmackhaft machen. Mit einer Höhe, die manche Hauptstadt auf anderen Kontinenten erreicht, lockt man schließlich keinen Chinesen hinter dem Ofen hervor.
Wenn schon 3883 Meter nicht ausreichen, womit soll dann der Deutsche Mittelgebirgsraum noch glänzen? Wer interessiert sich noch für den Schwarzwald, wenn kein Schnee mehr liegt und alle Asiaten eine Kuckucksuhr schon besitzen? Vielleicht hilft ein Anknüpfen an die Erdgeschichte. Dort, wo heute der
Oberrheingraben Schwarzwald und Vogesen trennt, lag mal ein 3000 Meter hohes Plateau-Gebirge - bis die Oberfläche durch Spannungen in der Erdkruste zusammensank. Übrig blieben mickrige Mittelgebirge an beiden Rändern der Ebene mit gerade mal 1500 Meter Höhe.
Doch was wäre, wenn man vom Belchen bei Freiburg zum Grand Ballon in den Vogesen eine gigantische Verbindungsbrücke - durchgängig in Höhe der Gipfel - baute? Eine Überbrückung von Raum und Zeit zugleich - so könnte man den notorischen Nörglern an Mammutprojekten die symbolische Bedeutung eines solchen Baus entgegenschleudern. Die Kosten würden durch die touristische Attraktivität sicher aufgefangen und Deutschland und Frankreich würden sich als Technologie-Hochentwickler behaupten. Mal drüber nachdenken!

Freitag, September 21, 2007

Kirchturm-Leitkultur

Unser aller Edmund Stoiber fordert für die Zukunft einen offensiveren Umgang mit dem Islam. Einige Beispiele, wie der praktisch umzusetzen ist: Wir bombadieren (muss jetzt nicht wörtlich verstanden werden) moslemische Länder mit Nacktbildern der nächsten CSU-Vorsitzenden Gabriele Pauli - schon wäre der gut aufgestellten Moral einiger Muselmanen ein empfinlicher Stoß versetzt. Dann verordnen wir in westlichen Ländern allen Kindern (also den oberbayrischen wie den moslemischen) die Total-Abnabelung von Mutters Schoß ab dem 19. Lebensmonat - was könnte die islamistische Familienbande härter treffen?! Schließlich müssen wir nur noch bezüglich Symbolen und Heilsversprechen offensiv den Wettbewerb annehmen: Kathedralen sollen größer sein als Moscheen, meint Stoiber. Dem ist sicher zuzustimmen. Unerträglich ist es für jeden christlich geprägten Menschen, dass alles in dieser Welt immer größer wird, nur die Liste der höchsten Kirchtürme verändert sich seit Jahrhunderten kaum. Und die 72 (oder waren es 99?) Jungfrauen im Jenseits knacken wir auch noch, da bin ich mir sicher.

Mittwoch, September 19, 2007

Shout out Louds, The Concretes

Man nehme: einen festen Grundstock eingängiger Poprhythmen, melancholische und trotzdem schwebende Melodien, die gut zu den oft vom Verlassenwerden und Wiederkommen handelnden Texten passen, und als Schmankerl einige Percussion-Elemente. Und schon haben die Shout Out Louds bereits mehr als genug, um ein gut proportioniertes Publikum zu begeistern. Verständlich, denn die Musik der Schweden macht Spaß, auch wenn einige Songs sehr ähnlich klingen.

Zeichnet eigentlich die gute Luft verantwortlich dafür, dass soviele Popbands dem 8-Millionen-Volk der Schweden entstammen? Oder die dortige Kulturförderung? Oder fehlende Beschäftigungsalternativen an dunklen Wintertagen?
Egal - auch bei The Concretes (Foto) war der Saal im Bürgerhaus Stollwerck schon komplett gefüllt - ungewönlich für eine Vorgruppe, aber verdient. Wenn Lisa Mitland singt, sieht man sie vor sich mit Blumen im Haar durch einen Garten schreiten, im Hintergrund fröhlich feiernde Menschen beim Mittsommernachtsfest. Sie kontrastiert ihre nordische Natur gerne mit afrikanischer Umstandskleidung. Verziehen, besonders wenn sie beim Singen von Gitarristin Maria unterstützt wird. Deren tiefe braune Augen erfassen wehmütig den weiten Himmel über der Schärenküste. Aber ach, ich bin ja noch in der kleinen Kölner Konzerthalle.

Dienstag, September 18, 2007

Black Books

Ein kleiner Ausschnitt der englischen Comedy-Serie "Black Books", die mich immer wieder erinnert, wozu übermäßiger Genuss von Literatur und Rotwein führen kann (oder schon geführt hat?)

Dienstag, September 11, 2007

Liste des Schreckens

Nachdem Eva Herman den Umgang der Nationalsozialisten mit Werten wie Kinder, Familie, Zusammenhalt und Rolle der Frau gelobt und gleichzeitig beklagt hat, dass der Niedergang mit den 68ern einsetzte, sollte man sich mal anschauen, was diese verlausten Tagediebe noch alles an wertvollen Errungenschaften des 1000jährigen Reiches zunichte gemacht haben.
Hier eine erschreckende Auswahl:
- Autobahnen wurden bei den Nazis stets mit langgezogenen Kurven gebaut, damit die Fahrer beim Cruisen immer die überlegene Deutsche Landschaft im Blick hatten. 68er standen nicht auf Deutsche Landschaft, deshalb der schnurgerade Ausbau der Strecken seitdem
- Um die Gesundheit des Volkskörpers nicht zu gefährden, wurde bei den Nazis das Dönerfleisch in allen Produktionsschritten streng überwacht, die Revoluzzer von 68 waren allergisch gegen alle Kontrolle und heute müssen wir es mit bayerischem Gammelfleisch ausbaden
- Auch die sinnvolle Pflicht für Frauen, sich die Haare zu blondieren, wurde irgendwann - bestimmt von einem 68er - abgeschafft
- Im Gegenzug hatten Männer in jenen schönen Jahren nicht nur das Recht, sondern gar die Pflicht, ihre Frauen körperlich zu züchtigen - alles vorbei seit Dutschke und Konsorten unser Land veränderten.
Über die gelungene Integration vieler verschiedener Nationalitäten in die Truppen Großdeutschlands wollen wir gar nicht erst reden.

Montag, September 10, 2007

Sexy Autos für sexy Leute


In drei Tagen beginnt die IAA und da stellt sich wieder mal die Frage "Wieviel Öko verträgt ein empfindliches Statussymbol wie das Auto?" VDA-Präsident Wissmann, der in den 90ern auch mal Bundesverkehrsminister war, weiß: "Müsliautos interessieren keinen. Aber Autos die sexy sind und zugleich einen niedrigen Verbrauch haben, interessieren selbst denjenigen, der mit CO2 nicht viel anfangen kann. "
Damit also sexy Wissmann weiterhin sexy Autos kriegt, soll die deutsche Industrie gefälligst Rußfilter mit Ralleystreifen, Hybridantrieb mit Heckspoiler geschickt kombinieren. Bleibt die Frage, was genau man sich unter Müsliautos vorstellen muss. Der Antrieb kombiniert aus einem Windrad auf dem Dach und Treibstoff aus Bio-Grappa? Zierschriftzüge Naturata? ein Navi, das alle Öko-Wellness-Resorts einprogrammiert hat? Sitzbezüge aus Hanfleinen? Die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Km/h gedrosselt? Wir werden es wohl nie erfahren, denn Autos müssen halt sexy sein, wie Herr Wissmann weiß.

Freitag, September 07, 2007

Vorsicht!

Was wir alles durch Billigprodukte Made in China mitgeliefert bekommen... Manch ein Souvenir aus Fernost ist derart mit für Europäer ungeeigneten Bambuslockstoffen verseucht, dass wir bei Benutzung Wesenszüge von felligen Großtieren annehmen, die wir fälschlicherweise für niedlich halten. Damit einher geht eine unnatürliche Scheu gegenüber den ursprünglichen Artgenossen.
Wenn am Ende auch noch die Panda-typische Unlust am Paarungsverhalten auftreten sollte, hätten es die Chinesen ja mal wieder geschafft!
Nichtsdestotrotz lassen sich gerade junge, lebenshungrige Kulturschaffende von der Knuddel-heischenden Wirkung der Pausenlos-Bambusfresser beeindrucken.

Donnerstag, September 06, 2007

Immer dieser Kulturpessimismus

Ich wäre ja selbst dabei gewesen, hätten mich nicht Kirschblüte, Morgenröte und die Oiran Higurashi in den Kinosessel gebeten.
Doch kann ich mir gut vorstellen, was der Autor meint. Das Verhalten Vieler und die Stimmung im Saal bei Konzerten von Bands formally known as Indie kann einem den Spaß pur schon verderben.
Andererseits ist das immer schon der Weg der Dinge gewesen - was einmal Underground war, ist plötzlich Mainstream und sehr kommerzialisiert. Künstler ernten dann bei weniger beeindruckenden Auftritten die Früchte ihrer eigenen früheren und ihrer Vorläufer Arbeit in Kellerclubs. Dort hatte man freilich als Fan mehr Spaß mit ihnen. Der Underground entdeckt bzw. liefert wertvolle Kultur und die Masse zertört sie. Aber Oje - schon wieder dieser Kulturpessimismus! Man muss dem Autor jedoch entgegenhalten, dass schon immer einige Britpop-Bands die große Pose, die seichte Melodie feilboten und sich keineswegs alle als sehr alternativ verstanden. Darüber kann man am ja kommenden Mittwoch mit ihm reden - im Elektra. Ob es da wohl nur reinen Indie hagelt?

Mittwoch, September 05, 2007

Östlicher Pragmatismus

Wir im Westen mit unserer vordergründig humanistisch geprägten Kultur kapieren mal wieder nicht die Chinesen, die einfach zur Tat schreiten. Anstatt sich, wie hierzulande üblich, in unverbindlichen Absichtserklärungen zur Reduktion von Treibhausgasen zu ergehen, tun sie etwas wirklich Ergebnisorientiertes. Indem sie Spielzeug und Malfarben für Kinder weltweit vergiften, leisten sie effektiv etwas zur Reduktion der Milliarden klimaschädlichen Bäuerchen, die unsere kleinen Pubser täglich ablassen.
Besorgte Eltern könnten diese Sichtweise als zynisch empfinden. Zu ihrer Beruhigung: Engagierte Politiker werden den Produzenten sicher bald eine toll-wirksame Selbstverpflichtung (Verarbeitung nur ungiftiger Substanzen und so) abringen. Damit sind dann wieder alle zufrieden - auch jene Wirtschaftsliberale, die jede Kontrolle von Produktion und Handel als Planwirtschaft verteufeln.