Dienstag, Juli 17, 2007

MELT Festival in Ferropolis/Gräfenhainichen 13.-15. Juli

Um es vorwegzunehmen: Dieses Festival hebt sich wohltuend von vielen anderen Musikveranstaltungen ab. Den Schlaf in den zwei Zelt-Nächten rauben mir nicht grölende Sauf-Dilettanten, sondern Menschen, die über Adorno, die Gruppe 47 und die Zukunft des Internet diskutieren. Außerdem ein Terror-Vogel, der sein Geschrei nonstop in unsere aufgeweichten Gehirne nur darum hämmern darf, weil es entlang der Elbe in Sachsen-Anhalt immer noch haufenweise nervige Natur anstatt versprochener blühender Industrie-Landschaften gibt. Wahrscheinlich konnten die Stars der Akkustischen Bionik von den Rhythmen speziell dieses nervigen Piepmatz einst die ersten Techno-Beats ableiten.


Ferropolis von weitem

Nachdem ein Nazi-Ordner etwa fünf Minuten lang meine sämtlichen Genitalien abgetastet hat - ohne dass diese eregierten - darf ich dann auch aufs Festival-Gelände, zwar ohne Getränk, dafür mit sämtlichen harten Drogen ausgestattet.

Auf dem weitläufigen Gelände von Ferropolis bieten monströse Braunkohle-
Tagebau-Bagger einen grandiosen Hintergrund für die fünf Bühnen

Freitag spät nachts:
Bei The Thermals' euphorisierendem Gitarren-Geläut wagen wir uns mal ganz nach vorne vor die Bühne und werden belohnt. Keine Zeit wird hier vertrödelt, der einzige Satz jenseits der Songtexte lautet "We're the Thermals from USA". Das Trio spielt seine ohnehin schnellen Songs, die atmosphärisch und krachig zugleich sind, in doppeltem Tempo runter, um uns das komplette Repertoire in den vorgegebenen 55 Minuten zu bieten. Unter Aufbietung all meiner Kräfte überlebe ich die härteste Stunde meines Lebens, stets die Gefahr vor Augen, unter die Räder zu geraten. Einmal geschieht es dann auch - ein unerwarteter Schub von rechts und schon liege ich. Alle großen Momente meines Lebens (Fummeln bevor Anatomie in Bio drankam, der erste Jägermeister, Pilzragout auf'm Dorffest) ziehen nochmal vor meinem Auge entlang. Doch dann zieht mich die Hand, deren Anhängsel gerade für mein Fallen verantwortlich war, mit einem Lächeln wieder hoch. I can feel the community!

Nach Einsatz unser aller Leben bei The Thermals
Samstag nachmittag (38 Grad im Schatten):
Im riesigen Baggersee gleich neben dem Festival-Gelände kann man baden, sogar offiziell. Das Wasser hat etwa die Farbe von Erdöl, aber Das hier ist Rock N'Roll, Es ist heiß, Wir sind jung und pfeiffen auf Bedenken bezüglich der Wasserqualität. Tiere haben da mehr Instinkt. Eine junge Frau, die ihren Hund mit ins Wasser ziehen will, erreicht bei diesem nur entgeistertes Abwenden und wird mit "Das ist jetzt nicht Dein Ernst heute abend müssen wir uns mal ernsthaft unterhalten Frollein"-Blicken zurückbeordert.
Samstag abend:
Eine besonders wertvolle Neuentdeckung sind für mich Goose - eine belgische Disco-Punk-Band, die live besonders intensiv rockt.
Ziemlich enttäuschend dagegen Stereo total.
Bei Tocotronic erreicht die Stimmung ebenfalls einen Grad an Ausgelassenheit, den ich von den überzeugten Melancholikern nicht recht erwartet hätte, auch wenn einige pseudo(?)-intellektuelle Sprüche natürlich sein müssen ("Nur in der Verdopplung unserer selbst sind wir komplett", "Music is the healing force of the universe") Ach, sie haben ja recht.
The Horrors werden musikalisch unter New Garage Punk geführt, kommen auf der Bühne aber mit eindeutigem Grufti-Habitus rüber. Man muss sie liebhaben, wie sie sich in ihren Hosen, die so eng sind, dass man kaum menschliche Gliedmaßen darunter wähnen möchte, einen abpsycheln (Neologismus, englisch zu lesen). Der Sänger wetzt ohne Pause wie eine BSE-infizierte Spinne über die Bühne und verlässt diese auch gerne mal. Dann klettert er zum Alptraum der Ordner die Theken-Konstruktion bis zum Zeltdach hinauf und verschwindet auch noch im Publikum, wohin ihn die Ordner liebevoll verfolgen. Nach dem letzten Song greift er nach einem wild-missmutig-habituellem "Bye" sein Miss Marple-/Arzt-Köfferlein und trägt es mit 90Grad-angewinkeltem Arm von der Bühne. Die anderen Bandmitglieder folgen im Gänsemarsch.


The Horrors

Mit üblicher Verspätung kommen dann Deichkind auf die Bühne - pünktlich zum Sonnenaufgang. Und war ich gerade noch dem Umfallen nahe, kommt doch noch ein erneuter Energieschub daher. Denn Deichkind sind ausgemachte Spaß-Experten. Kein Gag, kein Bühnenshow-Element ist ihnen zu flach. Ballonseidene Michelin-Anzüge, Pyramiden-Hüte, Trampolinspringen, die riesige "Zitze", in die von oben viel grelle Flüssigkeit eingefüllt wird und aus deren Rohren sie vielleicht ins Publikum gefeuert werden sollte. Bei "Yippieh yippieh Yeah" feuern dann Kanonen Federn ins Publikum und riesige Fahnen künden vom Songtitel. Das ist dann dermaßen der Party-Höhepunkt, dass man seine musikalische Provenienz vergisst und noch einmal alles gibt.


Deichkind - ich dachte, aus der Zitze würde gleich Semi-trinkbares
auf uns spritzen

Dann geht mal wieder die Sonne auf
Kleine Auswahl an weiteren Bands bzw. DJ's, die das breite Spektrum illustrieren: The Rifles, Dendemann (absolut nicht meine Musik, aber der Herr hat große Entertainer-Qualitäten), Tiefschwarz (u.a. hier wurde mein Horizont in Richtung Electro erfreulich erweitert), Hot Chip, Black Rebel Motorcycle Club (musikalisch gut, aber lieblos), Virginia jetzt! (natürlich verpasst, Puh!), The Presets, Shitdisco, Kelis (auch das ist eine Leistung, die langweiligsten Songs aller Zeiten zu schreiben), Jan Delay, Kettcar, Jamie T, The Notwist (überraschend lebendig), Alec Empire, Olli Schulz, Lady Sovereign (heiß und wild), Shout out louds, Digitalism (i loike Techno now), Mouse on Mars und Snap

Dienstag, Juli 10, 2007

How Indie are you?

Die Underground-Avantgarde schreitet voran. Da ist es gar nicht so einfach, auf dem laufenden zu bleiben. Hier eine kleine Hilfe.

Freitag, Juli 06, 2007

Neue Wege, der Nahrungsmittelknappheit in der Welt zu begegnen, finden sich hier.

Mittwoch, Juli 04, 2007

Mir kennet alles

Jetzt drehen die Schwaben wahrscheinlich total durch. Sie haben ja schon alles ums Automobil erfunden, führten Deutschland zum WM-Titel (quasi) und schreiben die Geschichte neu (König Oetti). Jetzt können sie sich auch noch als Erfinder von Musik und von Kunst im allgemeinen fühlen.
Auf der Schwäbischen Alb haben Archäologen jetzt das älteste Kunstwerk der Menschheitsgeschichte (vorerst zumindest) entdeckt - ein aus Elfenbein geschnitztes Mammut, 35.000 jahre alt. Das älteste Musikinstrument war dort ebenfalls gefunden worden. Der Grund liegt vermutlich in einem Aufeinandertreffen von Homo sapiens (dem modernen Menschen) und dem Neandertaler in dieser Gegend. Die zwei Parteien verstanden nicht nicht unbedingt besonders, was beide zu einem wahren Innovations-Wettrennen veranlasste. Das Ergebnis waren dann grandiose Erfindungen, die uns heute noch Freude bereiten, Baden-Württemberg eine tolle Werbekampagne und grenzenloses Selbstbewusstsein bescherten.