Freitag, Juni 11, 2010

Minergie kann schön sein

Mittwoch, Januar 07, 2009

Bauer sucht Frau: Es klappt doch!


Foto: Keystone

Ist das nun ein Beweis dafür, dass sich Gegensätze doch anziehen? Oder sind die Gedankenwelten und Kommunikationsmuster von bayrischen Hilfsknechten im Fast-Rentenalter und 21-jährigen Studentinnen der Kommunikationswissenschaften in Israel gar nicht so weit voneinander entfernt? Vielleicht klingt ja "Geh, Lili, magst net-a-mal a bissi lieb zu Deim Lohdar sein?" auf Englisch oder Hebräisch (das unser kluger Ex-Kapitän sicher beherrscht) besser?

Dienstag, September 23, 2008

Dat Wasser von Kölle ist joot

Ein kleiner Nachtrag zur fröhlichen Demo gegen Europas Rechte am vergangenen Wochenende. Bürgerpflicht erfüllt! Ordentlich mit am Heumarkt gestanden und mit der ganzen Masse der Anständigen verhindert, dass die Pro Köln-Konferenz stattfinden konnte. Das schöne Wetter und die kölsche Eigenart, aus so etwas gleich ein Volksfest zu machen, trug sicher zum fleißigen Eintreten für Demokratie bei. Egal. Auch der Genuss zu wissen, dass man einmal mit der großen Mehrheit, also auch mit Leuten zusammen, mit denen man nicht immer einer Meinung ist, für eine gute Sache einsteht, erschließt sich nicht jedem. Am interessantesten fand ich den Moment als der schwarze Block um die Ecke bog und mit einem Mal im Angesicht der Bühne mit Brings darauf stand. Die Schlachtrufe "Hoch die internationale Solidarität" - durchaus unterstützenswert aber doch etwas ernst und eintönig - vermischte sich mit "So lang mer noch am Läwe sin" und es war eindeutig: auch einige der Antifa-Leute haben sich im Rhythmus des Karnevalskrachers bewegt.

Montag, September 22, 2008

Ausblick mit Benz

Da man es als Gutverdiener bekanntermaßen nicht einfach hat, wird nun endlich in einer sorgevollen Angelegenheit Abhilfe geschaffen: man muss sein Auto, seinen Liebling, sein Baby nicht mehr in zugigen Garagen stehen lassen oder gar frei der Unbill des Wetters oder der Zerstörungswut des Mobs ausliefern. Dank des neuen Carlofts kann der über alles geliebte Rolls, Mercedes oder Aston Martin mit in die sicheren Gefilde der eigenen vier Wände kommen. Er kriegt sogar seinen eigenen, mit Samtwänden und individuell einstellbaren Lichtstimmungen ausstaffierten Aufzug zur Verfügung gestellt. Das supersoziale Element an der Sache: Der Platz, den das Ego auf vier Rädern normalerweise auf der Straße eingenommen hätte, steht nun einem Obdachlosen als Schlafhort zur Verfügung. So haben wieder alle was davon, wenn manche immer reicher werden. Wer will da noch gegen den Turbo-Kapitalismus wettern?

Freitag, September 19, 2008

Neues von der Farm

Fannie Mae und Freddie Mac - dachten außer mir noch mehr in der Finanzwelt fremdelnde Personen erstmal: Hey, das waren doch zwei von den süßen Bälgern bei 'Unsere kleine Farm'? So, und nun sind die frech dreinblitzenden und stets zum Chaotischen neigenden Fannie Mae und Freddie Mac - vielleicht ist auch noch Sue Ellen Cash mit von der Partie - also mal wieder ausgebüchst. Haben die Grenzen der Farm hinter sich gelassen und streunern irgendwo ungeschützt in der offenen Prairie herum, die da frei ist vom schützenden undurchsichtigen Dickicht des Greenspan Forest. Dabei hatte man sie doch gewarnt. Irgendwo da draußen sollen sich auch die berüchtigten Lehman herumtreiben, denen - so munkelt man - wirklich von keiner vernünftigen Seele mehr zu helfen ist. Vielleicht sollten die Kleinen demnächst besser aufpassen mit ihren waghalsigen Abenteuern. Könnten sie doch nur das gemütliche Leben auf der Farm etwas mehr genießen, anstatt ständig neue Entdeckungen und Eroberungen anzustreben - dann würde es den lieben Eltern, die so viel Vertrauen in sie setzten und auch dem ganzen County wohl besser gehen.

Freitag, September 05, 2008

Lieber Huber, Erwin: Jetzt wird's eng!



Die Erzkonservativen machen ernst: Schluss mit Multikulti-Dialekten. Ihr soats jetza g'fälligst olle hochdeitsch redan.

Montag, Juli 28, 2008

MELT 2008 in Ferropolis/Gräfenhainichen

Wieder ging es auf zum pickepackevoll mit guter Musik geladenen Festival in der Tagebau-Landschaft bei Dessau. Wie im Jahr zuvor regnete es bei der Abfahrt in Köln in Strömen. Bescherte uns Petrus vor Jahrefrist jedoch das heißeste Wochenende des Jahres, galt es heuer die kältesten und nassesten Tage zwischen Ostern und Weihnachten durchzuzelten. Zum Glück hielten sich die Wettereskapaden an feste Zeiten - abends um neun kamen die großen Güsse und Gewitter. So verzögerte sich unser erster Besuch des Festivalgeländes auf Mitternacht, aber macht nix: schließlich geht alles bis 6 Uhr morgens, dann im Sleepless Floor weiter und diesmal zudem drei Nächte durch. Für unseren persönlichen Auftakt sorgen die Editors, die eine heiß-rockige Show abliefern, ohne dass Sänger Tom Smith deshalb Abstriche sein Dandytum betreffend machen muss.

The Editors

Da sprüht auch der imposante Braunkohle-Bagger vor Freude
Kontrastprogramm: Auf einer anderen Bühne legt die Berliner Star Djane Ellen Allien auf. Relativ unerwartet und ohne Zuhilfenahme illegaler Substanzen tanzen wir entfesselt und glücklich, bis am klaren Himmel eine glühende Sonne emporsteigt. Abgehärtete Naturen springen bei gefühlten fünf Grad in den See.
Auf dem Treck zurück zum Zelt noch eine Begegnung mit bierseliger Ansprache in reinstem Bajuwarenglisch. Ein junger Musikliebhaber, der uns eben noch etwas sagen zu wollen schien, dann jedoch merkte, dass er uns eigentlich nichts zu sagen hatte und uns daher verzweifelt anpfiff und seitwärts weiterschlurfte, fand dann doch zurück zur Macht der Sprache und richtete seine Aufmerksamkeit auf eine junge Dame zehn Meter vor ihm: "Whatts your Nääm? Ah, Servus, my name is Xaver, i'm from Bavaria, you know bavarian Beer? Ah, sis is Preissenbier, not so gudd. Kruzifix, jetzt bloabst holt amol stehn..." Ja, mei... wir wissen nicht, wie der Morgen endete.
Wer um sieben in den Schlafsack kriecht, muss etwas länger schlafen. Wir wagen uns nachmittags aus dem Zelt und - wen wunderts - es regnet. Im nächsten heiteren Moment raffen wir uns zum Festivalgelände auf und flüchten gerade rechtzeitig in eine Lounge. Als wir uns vor die Haupbühne zu Peter Licht wagen, erfreut zunächst sein humoristischer Umgang mit den meteorologischen Widrigkeiten. Als wolle der Regen Lichts Verschleierungstaktik fortführen.
Noch Regen-geplagt, doch auch -trotzend spricht uns Peter Mut zu
Die durchbrechende Sonne verstärkt das Gefühl, mit den coolen popironischen Songs im Einklang zu schweben.

Jedweden Spruch über Licht werden erspar ich mir, die Sonne ging auf - wie schön

Heute abend muss es ja nicht wieder so arg regnen, lautet der Gedanke. Das Wetter zeigt Einsicht und lässt es nicht einfach regnen, sondern schickt ein Weltuntergangsgewitter übers weite Land. Im Auto ist man bei sowas bekanntlich sicher aufgehoben, aber als die Pavillonzelte aus ihren Verankerungen und auf uns zufliegen, bin ich mir nicht mehr so sicher.


Da bleiben wir lieber noch kurz im Auto sitzen
Egal, auch das geht vorüber und wieder Erwarten sind nicht mal Tote zu beklagen. Wir machen uns erneut auf, gute Musik zu sehen und werden erstmal enttäuscht: Franz Ferdinand meinen wahrscheinlich, ihre Songs seien Selbstläufer. Oder sie können halt live nicht besser. Schade.
Dann wird es richtig spaßig. In der völlig verschlammten Red Bull Arena, die an steinerne Gladiatorenfolter-Amphikessel erinnert, heizt zunächst Edu K mit schrillem brasilianischem Dance-Punk und deutlichen Ansagen ("How much do you love your drugs?") ein. Zwischen den in nächtlicher Kälte meist dick eingehüllten Tanzenden fällt ein Crazy Mitdreißiger auf, der seinen lebensfrohen Körperbau gar nicht verhüllt. Auch die kurze Hose zieht er sich öfter mal runter und klatscht sich lasziv auf die Rubens-haften Backen. How much we love our drugs...
Dann kommen Bonde de Role. Grandios wie immer, machen sie die wildeste Party von allen und schließen mit dem Gruß "!german people super crazy cool sexy total!".
Bei Roisin Murphy freue ich mich, dass ich zu dem Hit "Movie star" wunderbar unbehindert von Umstehenden auf der hinter der Publikumsfläche gelegenen Terrasse tanzen kann. Manchmal ist man in der Ferne näher dran als im Geschiebe.
Die coole und sexy Uffie und die cheesy Dancefloor-68er Technotronic passen nicht wirklich gut zusammen.
Nach einer zweiten kurzen Nacht, von mehrerern Seiten Privatdiso-beschallt, ist es noch etwas kälter geworden. Allerdings gibt es tatsächlich sonnige warme Momente. In einem solchen sitzen wir neben einem alten VW-Bus mit Hippie-Beschallung und genießen etwas Woodstock-Feeling. Das nimmt der Besitzer, der irgendwie Ähnlichkeit mit seinem Bus hat, zum Anlass, uns zwei gebrannte und sorgfältig beschriftete CDs zu schenken. Hach, et es enne Jeföhl.
Hot Chip
Hot Chip haben erfreulicherweise einen großen organisierten Fanclub mitgebracht. Nachdem coole Musik ihren Weg in Fußballstadien gefunden hat, greifen nun auf coolen Konzerten Bräuche aus der Fußballwelt um sich. Eine Horde verrückter Engländer in Bären-, Bienenkostümen oder bunten Pyjamas machen La Ola-artiges. Aber bei Hot Chip muss eigentlich jeder hüpfen. Leider gibt es wohl Probleme mit der Tontechnik und so endet der Spaß nach gerade 40 Minuten.
Und dann Björk. Zunächst kommt sie mit vielen Fahnen und ihrer Reykjaviker Bläsertruppe erwartet imposant und esoterisch rüber.

Fahnen, mystische Stimmung, Exzentrik, aber auch ordentlich Spaß
Man unterstellt der sympathischen Pop-Fee einfach mal, dass sie ihre kulturellen Wurzeln hier nicht folkloristisch verballhornt. Mit der Zeit wird der Auftritt aber immer Rave-lastiger und der Kontext zu einem Elektro-dominierten Festival wird deutlicher. Stimmungsvoll und trotzdem zum Abhoppen - ich war skeptisch und bin zum Fan geworden.
Einen absoluten Höhepunkt bilden zum Ende die "Berlin Battery Allstars", d.h. DJ Supermarkt, Sir Khan und Jack Tennis. Auf ihrer Blogseite promoten sie gute, teilweise unbekannte Musik aus allen Erdteilen. Am Pult machen sie uns mit bretternden Remixes von Nirvana, Massive Attack und vielem Tanzbaren mehr glücklich.

Montag, Juni 16, 2008

Auftstand der Alpenzwerge

Nachdem Podolski schon ordentlich die Polski geputzt hat, ist es jetzt an der Zeit, die Ösis zu wienern. Heute muss unsere Mannschaft die Schluchten-Tonis ordentlich polstern - das versteht nur, wer sich noch an der Herrn oben erinnert, der schließlich lange beim 1. FC Köln gespielt hat. Noch einer gefällig: Heute werden die Kleinen Braunen ge-schlagoberst.

Montag, Mai 19, 2008

Keine Fete ohne Tante Käthe

Leverkusen hatte zwar gerade alles verspielt - am letzten Spieltag von Platz vier auf sieben gerutscht durch das 0:1 gegen Werder. Aber so ist das halt, wenn man zum Saisonfinale gegen den Deutschen Meister der Herzen spielt. Wir haben den Bayern zwar offiziell den Titel überlassen, aber nur weil sie andernfalls ihre eigene Liga mit gleich eigenem Staat ausrufen würden und für den Länderfinanzausgleich braucht man ja die fleißigen Polterer.
Egal, die Party war im Gange und Rudis Miene hellte sich wieder auf, als er mich erblickte. Und den Diego aufm T-Shirt hat meine Freundin undercover genug kreiert, sodass man ihn geflissentlich übersehen konnte. Die Schokoladen-Fontäne mundete somit
allen köstlich und unter uns: auch Michael Skibbe saß nicht allzu traurig in der Ecke.

Mittwoch, Mai 14, 2008

Saubere Stadt

Immer wieder fasziniert, meist aber auch erschrocken, berichte ich hin und wieder von den Großprojekten des neuen Jahrtausends, die alles Vergangene in den Schatten stellen sollen. Dubai verbucht dabei einen überproportionalen Anteil und verleitet meistens nur noch zum Achselzucken. Nun kommt aus dem Nachbaremirat Abu Dhabi tatsächlich mal ein zukunftsträchtiges zum Aufhorchen animierendes Projekt - Masdar City. Diese Stadt soll bis 2016 fertig sein, ihr Bau wird 14 Milliarden Euro kosten. Dafür soll Masdar City ohne CO2-Emissionen und ohne Restmüll auskommen - so, wie man sich die ganze Welt vorstellt. Sie ist am Reisbrett entstanden, wirkt aber durchaus ungeordnet. Vorbild waren mittelalterliche europäische und arabische Städte, denn ohne längere Straßenfluchten gibt es weniger Hitzeentwicklung. Leisten können sich die Scheichs die ausgeklügelten ökologischen Techniken von den Ölmilliarden, die fleißige Autofahrer in aller Welt ihnen Jahrzehnte in die Taschen gespielt haben. Vielleicht sollte man auch mal die deutschen Rentner fragen, was sie für die Milliarden aus der Ökosteuer, die letztendlich in ihre Töpfe geflossen sind, dem Gemeinwesen zurückgeben wollen.

Mittwoch, April 30, 2008

Platz der himmlischen Moral

Nachdem auch die deutsche Wirtschaft und Politik seit vielen Jahren prima Geschäfte mit China macht, hat man vor kurzem urplötzlich gemerkt, dass in China hin und wieder das ein oder andere Menscherechtlein missachtet wird. Und die Spitzensportler sollen jetzt gefälligst mal richtig Flagge zeigen, um der Moral zum Recht zu verhelfen. Sollten dann die Olympioniken auf das Ereignis verzichten, für das sie ihr Leben lang trainieren, hätte man ein gutes Zeichen gesetzt und könnte danach wieder schön kooperieren mit China. Oder von den chinesischen Arbeitsverhältnissen lernen, die sicher fantastisch auf unsere übertragbar wären und unserem Wachstum nur guttun könnten. Das zumindest behauptete ernsthaft der Organisator der Hamburger China-Woche 2006.
Also: Sport Sport sein lassen. Wer jetzt Zeichen gegen Unfreiheit setzen möchte, kann ja seine ihm zugedachte Rolle als verantwortungsbewusster Verbraucher wahrnehmen. Gewisse deutsche Autokonzerne betreiben bei Olympia Sponsoring im großen Stil. Also dran denken, wenn man in Zukunft mal wieder nen Golf kauft!

Dienstag, April 22, 2008

Lieber unbeliebt bleiben?

Super, Tokio Hotel! Dank der völkerverständigenden Hysterie, die die Teenie-Band derzeit überall in Europa auslöst, schreiben sich jetzt Massen junger Franzosen (v.a. wohl Französinnen, oder wie ist das mit der Wirkung und der Fangemeinde der metrosexuellen Jungpopper?) für Deutschkurse ein - nur um sauber sagen zu können "Isch will ein Kind von Dir, Biell". Tokio Hotel also als Botschafter für ein Land, das nun endlich auch international aktiv im Bereich Grotten-Kultur ist. Ob man da nicht lieber unbeliebt bleibt?
Früher beschränkten sich die Deutschen ja eher darauf, jedem noch so schlimmen Song aus dem angelsächsischen Kulturraum durch die Gassen zu folgen. "Everybody had a number one hit in Germany. David Hasselhoff had a number one hit in Germany. Seems, they don't understand so much 'bout music there", sagt Lee Majors über seinen Hit "The unknown stuntman". Das Interview ist auf dem Bonusmaterial der DVD mit der ersten Staffel von "Ein Colt für alle Fälle" zu sehen, die ich mir kaufen musste. Schließlich fand ich die Serie toll - und natürlich den Titelsong, ich verstand also auch nicht soviel von Musik, naja. Schließlich steht er für eine Welt, in der das schlimmste Klimaproblem war, wenn Colt - zigarrerauchend - ein Regentropfen in seine Badewanne vorm Haus mit Ausblick über L.A. fiel und in der man die coolen Jungs mit Pick-ups oder Trucks noch cool finden durfte.

Montag, April 21, 2008

Na, was ist es?

Die Schönheit in den kleinsten Dingen sehen - diese Fähigkeit kommt einem sehr zupass, wenn man in einer Stadt wie Köln lebt. Wer wollte bei diesem Anblick die Assoziation mit schroffen Granitfelsen verwerfen? Doch hat hier lediglich ein nervöser Großstadt-Geist an U-Bahn-Fensterdichtungen rumgepiddelt.

Donnerstag, April 17, 2008

Tun

Die Knöchel einer stilsicheren Person werden durch Tiermotive, besonders wenn es sich bei dem Dargestellten um einen kultverdächtigen Bewohner des Hohen Nordens handelt, durchaus positiv gekleidet.

Bitte auf gar keinen Fall Tun

Natürlich - Du bist der Größte, Dynamik steht Dir ins Gesicht geschrieben. All Deine Glieder bewegen sich mit tentakelhafter Geschicklichkeit durchs Leben. Dann beglücke uns doch mit der Präsentation all dieser Qualitäten anhand Deines Leibes und schütze unsere Augen vor solch einem Objekt. Der Straßenverkehr ist schon nervenaufreibend genug!

Montag, April 14, 2008

Die letzten Tage des Kahn

Mein Gott, was wäre das für ein bitterer Abgang für unseren Titanen Oliver den Großen gewesen, hätte er sich mit seinen Bayern in seiner letzten Saison beim spanischen Dorfverein FC Getafe aus dem UEFA-Cup verabschiedet! Wo er doch so viele Titel gewonnen hat, muss er die letzten drei in dieser Spielzeit - Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Cup - jawohl auch noch abgreifen! Ersteren überlassen ihm, bzw. den Bayern die anderen Spitzenclubs durch lauter Heimniederlagen gegen Tabellenletzte, voller Verständnis für die historische Tragweite. Den Pokalsieg können und wollen schlaffe Dortmunder vermutlich auch nicht unbedingt streitig machen. Im UEFA-Cup allerdings war es schon fast geschehen: zweimal hatten die Underdogs aus Kastillien den "großen FC Bayern" an den Rand des Ausscheidens gebracht, vielleicht war ihnen aber auch schon bewusst, dass es dem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt, die Bayern am letzendlichen Sieg hindern zu wollen. Ein Naturgesetz wird auch durch drei Tore Vorsprung 20 Sekunden vor Schluss nicht außer Kraft gesetzt.
Tragisch, wäre dem armen Olli nun also beinahe dieser eine letzte Titel abgegangen, doch wer fragt eigentlich nach dem gleichermaßen 37 Jahre alten Torwart des in letzter Sekunde geschlagenen Gegners? Pato heißt der - auf deutsch Ente - mit Spitznamen zwar, der aber immerhin auf seinem Trikot steht. In den letzten Minuten zeigte sich dann auch, woher er den Spitznamen hat.
Mit solchen Nebensächlichkeiten jedoch kann ich mich an dieser Stelle nicht befassen. Vielmehr bewegt mich die Frage, wie der deutsche Fußball ohne den großen Kahn von München weiter existieren kann. Was wenn plötzlich niemand mehr Gegenspielern das Ohr abbeißt, oder von Mitspielern verletzte Spieler beschimpft? Und wenn er dann mit Wuschelhaaren und wirrer Primatengrimasse über den Platz rennt, kann man ihn schon niedlich wie einen Lausbuben vom Lande finden. Und wenn er auf verbale Vorlagen von Reportern selbstherrlich mit "Ja gut, wir sind der FC Bayern, wir müssen uns vor niemanndem fürchten, vielleicht vor dem lieben Gott" antwortet, kann man seine Hassliebe voll ausleben. Wir werden sicher noch viele autoanalytische Monologe von ihm in allen Medien hören.

Donnerstag, Februar 28, 2008

Links ist überall

Es hat ja gute Gründe, dass wir in Deutschland kein Kind mit noch so stark ausgeprägtem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom in ein Konzentrationslager stecken würden - zumindest würden wir es niemals so nennen. Auch wird Wolfgang Schäuble bei all seinen Ambitionen keinem weiteren Geheimdienst die Bezeichnung Geheime Staatspolizei geben. Begriffe wie entartet oder Volksgesundheit sind aus unserem Vokabular vielleicht für immer gestrichen und eine deutsche Stadt namens Sankt Sebastian hätte auch niemals das Autokennzeichen SS.
Nichtsdestotrotz gilt rechts als politischer Standort weiterhin als recht oder rechtens, während man mit einer Person, die sich politisch links positioniert, automatisch etwas linkisches, linkes im charakterlichen Sinn verbindet.
Angesichts eines drohenden Linksbündnisses in Deutschland, das zweifelsohne zum Untergang unserer Zivilisation führen würde, sollten wir uns mal genauer anschauen, wo überall sich linke Gefahren verbergen. Es kann einem Angst und bange werden.
Zum Beispiel stelle ich erschreckt fest, dass ich diesen Text linksbündig schreibe. Wenn der Mitarbeiter von Herrn Schäuble, der dieses liest, es falsch interpretiert, dann bekomme ich sicher Probleme. Aber dafür könnte er dann wirklich nichts. Vielmehr sollten wir alle vorsichtiger mit unserer Wortwahl werden. Muss ich denn auf der linksrheinischen Seite leben? ... kann es nicht nüchterner und unverdächtig westlich des Rheins heißen?
Linkshänder zeichnen sich angeblich durch eine überdurchschnittliche Intelligenz aus. Sollte man ihnen nicht schon im Säuglingsalter ihre politisch zwielichte Unart austreiben?
Engländer gelten allgemeinhin nicht als sehr verdächtig, politisch links zu stehen. Müssen sie uns da mit ihrem Linksverkehr ein Verdachtsmoment gleichermaßen augenscheinlich wie unnötig liefern?
Jede vollständige Fußballmannschaft braucht einen linken Verteidiger. Wer einen solchen Job macht, der ist zeitlebens mit einem Stigma behaftet. In der deutschen Nationalmannschaft bekleidet ein Mensch namens P. Lahm diese Position - interessant, betrachtet die mittelhochdeutsche Herkunft des Wortes link. Damals bedeutete link nämlich zugleich matt und schlaff.
Ich versuche jetzt, links aus meinem Leben zu verbannen und verzichte auf einen vielleicht effektvollen Link auf irgendein abschreckendes, angsteinflößendes, die Niedertracht visualisierendes sozialistisches, also linkes, Symbol.